Überall im Internet kann man Beschwerden von Nutzern lesen, die etwa lauten: "Die Bewertungen sind ja alles Fake!", "Das ist ja Betrug!". Diese Aussprüche, die oftmals aus einer emotionalen Laune heraus und bei Ärger über Rezensionen getätigt werden, verlangen aber einen genaueren Blick. Denn: Allgemein bekannt ist, dass Bewertungen einen sehr wesentlichen Einfluss auf Erfolge von Produkten, Händlern und Services haben und dass Bewertungen von vielen Kunden bei einer Kaufentscheidung berücksichtigt werden. Daraus hat sich aber eben auch entwickelt, dass Anbieter die Entstehung von Bewertungen nicht mehr einfach dem Zufall überlassen können, sondern dem entgegenwirken müssen, wenn sie am Markt eine Chance haben wollen.

Bewertungen bekommen: Diese Optionen gibt es

Grundsätzlich entstehen "natürliche" Bewertungen einfach dadurch, dass ein Nutzer eine Meinung zu einem Produkt oder Service abgibt, den er/sie gekauft oder genutzt hat. Die so entstehenden Bewertungen werden von vielen Nutzern als "echte Bewertung" verstanden. Alles andere sei dann sofort eine Fake-Bewertung. Das ist aber nicht korrekt, sondern entspringt nur einer naiv-verträumten Sichtweise, die mit heutigem Marketing nicht mehr viel zu tun hat. Denn - und das ist völlig legitim - Händler können Bewertungen auch anstoßen, indem sie Bewertungen "schaffen":

  1. Kunden ansprechen und um eine Bewertung bitten
  2. Kunden einladen, ein Produkt zu testen und dann zu bewerten
  3. Kunden ansprechen und um eine positive Bewertung bitten.
  4. Texter buchen, die eine (positive) Bewertung schreiben
  5. Freunde bitten, eine Bewertung zu schreiben
  6. Selber eine Bewertung schreiben

Das unter (1) genannte wird von der Allgemeinheit vielleicht noch als "echte" Bewertung angesehen, während spätestens am (2) viele von einer Fake-Bewertung sprechen. Auch wenn das so nicht korrekt ist. Warum? Fake bedeutet soviel wie "falsch" oder "gefälscht". Das ist aber für (2) keinesfalls anzunehmen, sofern es dabei bleibt, dass ein Händler beispielsweise ein kostenloses Produkt an Nutzer verteilt und diese das dann vollkommen ehrlich bewerten. 

Beispiel: Ein Hersteller für Kopfhörer gibt Dir einen Kopfhörer und bittet Dich um eine Bewertung. Du schaust Dir das Produkt an und gibst ihm anschliessend auf Amazon.de zwei Sterne, weil es Schrott ist. Fake? Sicherlich nicht. 

Das bedeutet: Grundsätzlich ist an einer solchen Vorgehensweise absolut nichts zu beanstanden. Aber zwei Punkte müssen dabei beachtet werden:

  1. Das Wettbewerbsrecht schreibt eine Kennzeichnungspflicht vor für Werbung. Und darunter fällt so eine Bewertung rechtlich gesehen. Denn der Kunde hat einen Vorteil bekommen (kostenloses Produkt). Das bedeutet, wettbewerbsrechtlich muss in der Rezension ein Zusatzhinweis erfolgen, der dieses offenlegt. Wesentlich ist dabei, dass der Kunde beim Lesen des Textes weiss, wie er ihn einzuschätzen hat. Ein bekanntes Beispiel sind Werbungen in TV oder Radio. Dort bekommen wir auch vermittelt, dass Waschmittel X das allerbeste auf dem Markt ist - aber wir wissen, dass es sich um eine Werbung und können den Spot entsprechend richtig einschätzen. Gleiches muss für Bewertungen gelten.
  2. Ein wesentlicher Punkt ist: Solche Rezensionen fallen öfter etwas positiver aus, als wenn ein Kunde kein kostenloses Produkt erhalten hat. Hier ist die Unabhängigkeit des Rezensenten gefragt. Er muss neutral bewerten.

Positive Bewertungen Kaufen: Erlaubt?

Aber was ist, wenn explizit eine positive Bewertung erbeten wird? Ist das dann Fake? Nein, auch das ist kein Fake, wenn der Verfasser sich an Recht und Gesetz hält und das entsprechend offenlegt - so wie es in der Werbung ist. Wir wissen, dass ein Werbespot für BMW viel Geld gekostet hat und natürlich nur gutes über BMW vermittelt. Genauso kann es mit einer Produktbewertung sein. Sofern dort eben vermittelt wird, dass der Verfasser zum Beispiel für das Verfassen Geld bekommen hat und den Auftrag, nur positives zu schreiben. Liest man sowas als Kunde, ist es vielleicht trotzdem informativ, weil es Produktfeatures erklärt und nützliche Bilder enthält, wir würden aber der Meinung natürlich bei einer Kaufentscheidung weniger Gewicht einräumen, als einer Bewertung, bei der wir wissen, dass es ein Kunde geschrieben hat, der das Produkt aus eigenem Antrieb gekauft und bewertet hat.

Fake-Bewertung: Was ist das denn nun?

Was eine Fake-Bewertung eigentlich ist: Im Grunde genommen ist da der rechtliche Rahmen gesteckt. Eine Fake-Bewertung ist eine Bewertung, die dem Leser unter Vorspiegelung falscher Tatsachen eine Meinung zu einem Produkt verkaufen will. Also eine Bewertung, die nicht die nötige Kennzeichungspflicht erfüllt. Umgekehrt bedeutet aber das: Man kann als Seller/Händler/Dienstleister selbstverständlich Bewertungen anstossen, einkaufen oder verfassen - es muss wettbewerbsrechtlich aber korrekt erfolgen und entsprechend als Werbung gekennzeichnet sein mit Zusätzen wie "Ich bin selber Verkäufer des Produktes und habe meine Meinung dazu geschrieben", oder "Ich habe 50 Euro bekommen, damit ich eien positive Meinung zu dem Produkt schreibe" oder "Ich habe ein kostenloses Exemplar des Produktes bekommen und bewerte es entsprechend meiner Meinung" oder "Ich habe das Produkt nie in der Hand gehabt, wurde aber gebeten, es positiv zu bewerten".

"Ach, das ist ja doof", denkt sich vielleicht der eine oder andere. Ja, mag sein, aber so sieht die Rechtslage aus und wer ehrlich ist, er wird zugeben müssen: Ja, wenn alle Bewertungen eine solche Kennzeichnung haben oder hätten, könnten wir uns als Kunden öfter besser informieren als es aktuell der Fall ist.